Mülltonnen in der St. Laurent's Street, Montreal

Eigentlich wollte ich was ganz anderes sagen…

Jetzt versuche ich seit ungefähr 10 Tagen mal wieder etwas zu posten und von meinen Eindrücken von Tikal in Guatemala zu berichten. Dass es mir nicht gelungen ist, liegt bestimmt nicht an Tikal selbst, sondern vielmehr, dass ich halt andere wichtige Dinge zu erledigen hatte. Konkret, mich um einen Studienplatz für die Zeit nach meiner Reise zu bemühen. Nun, ich habe mich einen internationalen Master in den Medienwissenschaften beworben mit zwei Auslandssemestern. Wenn das klappt, kommt das Reisen also nicht ganz zu kurz. (Meine erste Version des Motivationsschreibens enthielt den Satz: “Ich suche für die nächsten zwei Jahre nach einer gesellschaftlich akzeptierten Form alle sechs Monate meinen Wohnort zu wechseln.” Aber der Satz hat es dann doch nicht in die endgültige Version geschafft.)

Aber der andere Grund ist, dass ich gerade auch meine Weiterreise quer durch Kanada plane und was ich in meinen letzten sechs Wochen in hier noch sehen und erleben möchte. Nationalparks, Museen über Inuitkultur, die Rocky Mountains, Vancouver und Vancouver Island, Meer und nach Möglichkeit Wale sehen. Also alles. Ich bin so begeistert von Kanada und vor allem ein bisschen melancholisch Montreal zu verlassen. Und Guatemala kommt mir vor, als wäre es eine Ewigkeit her.

Es ist faszinierend, wie schnell man einen Alltag entwickeln und für einen Ort sentimentale Gefühle entwickeln kann. Und ich habe nicht mal alle Highlights von Montreal gesehen. Wenn man mehrere Monate bleibt, denkt man am Anfang, man hätte so viel Zeit für alles. Und dann gewöhnt man sich ein und hört auf, die ganzen touristischen Sachen machen zu wollen. Was nicht unbedingt schlechter ist. Ich würde mich selbst für einen der introvertiertesten Menschen mit dem furchtbarsten Orientierungssinn auf der Welt halten, aber komischerweise habe ich überhaupt keine Probleme, mich an neue Orte zu gewöhnen. Und Montreal ist an sich nicht mal eine schöne Stadt so wie London oder Paris. Das eine Wort, mit dem ich Montreal beschreiben würde, ist eklektisch. Es ist eine Mischung aus gotischen Kirchen und Hochhäusern nebeneinander, natürlich die Zweisprachigkeit, unterschiedlichsten Menschen und unglaublichen Festivals. Für mich persönlich prägen Montreal die Computerspielindustrie, neue Freunde aus Lateinamerika und Indien, Jazzkonzerte, Graffiti, Eichhörnchen und eine stickige Metro, die kurz nach Mitternacht schließt (meine Mitbewohnerin nennt es den “Cinderella”-Fahrplan, weil man immer um 12 Uhr von der Party wegrennt, wenn man auf die Metro angewiesen ist. Aber immerhin verkaufen sie hier die Tageskarten nicht als Rubellose wie in Toronto.) Und die Zweisprachigkeit bestand für mich eher aus französisch und spanisch.

Ich habe diesen Beitrag angefangen mit dem festen Vorsatz, irgendwann die Kurve zu den Ruinen von Tikal zu kriegen, aber die einzige Abbiegung war das Wort “Inuitkultur”. (“Auch eine Alte Kultur hat Guatemala…”) Und ehrlich, diesen Satz möchte ich doch niemandem zumuten zu lesen. Das ist ja hier auch keine Formatveranstaltung und ich möchte mir auch nicht zumuten, Beiträge zu schreiben, nur um sie abzuarbeiten.

In diesem Sinne gibt es heute keine spektakulären Bilder aus Guatemala, sondern weniger spektakuläre Eindrücke aus Montreal, die mir gerade näher sind.

Ein Gedanke zu „Eigentlich wollte ich was ganz anderes sagen…

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