Prairie

Inseln in der Prärie

Das Besondere an Kanada ist auch, dass es hier irgendwie keine Orte gibt. Freistehende Höfe, Rastplätze und Motels von Zeit zu Zeit. Und Seen. Angeblich hat Kanada mehr Seen als alle anderen Länder auf der Welt zusammen. Und man kommt auch alle zehn Minuten an einem vorbei. Aber keine Orte. (Und man rast hier nicht über die Autobahn mit Schallschutzmauern, wo man einfach nichts mitkriegt.) Selbst die Bushaltestellen der Überlandbusse scheinen immer ziemlich im Nirgendwo zu sein.

Auf den fünf Stunden Fahrt zwischen Ottawa und Toronto sind wir durch einen Ort gekommen. Und das weiß ich, weil es mir so aufgefallen ist. Im Wesentlichen gibt es in Kanada große Städte wie Vancouver, Toronto oder Montreal, die alle größer sind als die großen Städte in Deutschland. Aber dazwischen ist halt… nichts.

Diese Situation führte dazu, dass ich in Winnipeg schon mit einer leichten Agoraphobie ankam. Es ist ein bisschen wie auf einer Insel, wenn man Panik kriegt, dass man da nie wieder weg kommt. Dabei liegt wohl keine Stadt in Kanada weiter weg vom Meer. (Wie weit? Ich bin zu faul zum googlen… und sowieso auf duckduckgo umgestiegen.) Aber die Stunden im Bus hatten bei mir ein beklemmendes Bewusstsein dafür geschaffen, dass im Umkreis von 10 Stunden nichts um uns herum war. Thunder Bay war die letzte richtige Stadt, von der wir gestartet waren und Regina, wo ich ausnahmsweise im Hostel und nicht im Bus schlafen würde, war noch 10 Stunden weit weg. Winnipeg ist immerhin eine richtige Stadt, und auf den ersten Blick sogar eine ganz schöne. Ungefähr so groß wie Stuttgart. Trotzdem, so in der Mitte… der Prärie halt. Das Land ist flach (so wie in Norddeutschland). Man kann kilometerweit gucken und feststellen, dass da einfach nichts nichts außer ab und zu ein paar Rindern und einer Farm. Ob die Menschen in Winnipeg wohl Menschen kannten, die nicht aus Winnipeg waren? Und wenn ja, wie lernten sie andere Menschen kennen? Wahrscheinlich ist das übertrieben, aber ich war nicht böse als mein Bus ein paar Stunden später wieder weiterfuhr.

Und da es dann Nacht war und ich von der Fahrt wenig mitbekommen habe, war meine Panik in Regina entsprechend auch nicht so groß. Obwohl Regina immer noch genauso im Nirgendwo ist.

Ein Gedanke zu „Inseln in der Prärie

  1. MuP

    Unter “Inselhopping” hatten wir uns immer etwas ganz anderes vorgestellt, als die Reise von Ort zu Ort im Nirgendwo … Es ist sehr beeindruckend und wahrscheinlich hast Du die Übernachtung im Hostel als sehr besonders empfunden … :-)

    Antworten

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