Trommler beim Tam Tam in Montreal

Tam Tam: Meine Lieblingsbeschäftigung am Sonntag

Es ist nicht so einfach zu beschreiben, was das “Tam Tam” eigentlich ist. Ein riesiges Picknick, Hippietreffen, inoffizielles Drummerfestival, die Ansammlung aller Verrückten von Montréal an einem Platz. Alles stimmt.

Man muss sich vorstellen, dass jeden Sonntag im Sommer alle möglichen Leute mit ihren Percussion-Instrumenten zum Parc Mont Royal kommen, um miteinander Musik zu machen. Jeder kann mitmachen. Und alle, die kein Instrument spielen, kommen mit ihren Kindern, Hunden, Picknickkörben oder Mittelalterverkleidungen und hören zu. Es ist nicht sonderlich schwer zu finden, denn es sind unglaublich viele Menschen dort und man erkennt, dass man im richtigen Bus ist, daran, dass die meisten eben Percussioninstrumente, Kinder, Picknickkörbe oder komische Verkleidungen dabei haben (btw Linie 80 oder 11).

Was mir am Tam Tam so gefällt, ist die Atmosphäre: Es ist so friedlich und respektvoll, obwohl dort die unterschiedlichsten Menschen aufeinander treffen. Afroamerikaner, die nach unserem Klischee das Patent auf den Rhythymus haben, neben Alt-68ern und Reggae-Anhängern mit Dreadlocks. Dazu bewegt sich ein Mädchen mit grünen Haaren auf eine introvertierte, meditative Art und ein paar Teenager üben Breakdance-Moves. Die sicher über achtzigjährige Oma mit den Kastagnetten tanzt mit größten Vergnügen mit den sehr viel jüngeren Männern. Und natürlich alles, was man sich dazwischen vorstellen kann. Alle Nationalitäten, alle Religionen. Zwei Hindus sitzen auf einer Picknickdecke und chanten Hymnen für Krishna. Und niemand wird für seine Art, für das, wie er mitmacht oder auch nicht, komisch angeguckt. Ich habe nie die geringste Spur von Aggression oder Spott wahrgenommen. Im Gegenteil, jeder hat die alte Dame bewundert. (Sie ist nicht auf dem Foto, tut mir leid.)

Zugegeben, es liegt ein relativ penetranter Grasgeruch in der Luft. Manch einen mag das abschrecken. Aber es sind auch genauso viele Eltern mit kleinen Kindern dort (was sich nicht zwangsläufig mit Marihuana ausschließt). Gruppen von Freunden, die Bier trinken. Menschen, die alleine ein Buch lesen oder stricken. Und dann diese Leute, die in mittelalterlichen Verkleidungen mit Holzschwertern Gefechte austragen. Dazwischen gibt es noch so etwas wie Flohmarktstände, die vor allem Schmuck, Batiktücher- und Röcke und Räucherstäbchen verkaufen.

Ein noch lebendigeren Eindruck gibt die Soundscape, die ich vor zwei Wochen davon aufgenommen habe.

 

So geht das von Mittag bis Sonnenuntergang ununterbrochen. Und nebenbei, wer sich beim anhören schon nach 20 Sekunden langweilen sollte – das ist kein Ice-Age-Film… es kommt keine Pointe am Schluss (vielleicht beim nächsten Mal, wenn ich Lust habe).

2 Gedanken zu „Tam Tam: Meine Lieblingsbeschäftigung am Sonntag

  1. M.

    Du kannst dir vorstellen, wie toll ich das finde, nehme ich an. Auch von meiner seite nichts gegen den Weinmarkt :), aber das ist echt schon nicht schlecht!

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  2. MuP

    Super das neue Layout – das ist Dir gut gelungen. Klasse! Na ja, Du hast ja auch viel Zeit, Mühe und Nerven investiert.

    Nun zum TAM TAM: Das Foto sieht aus, als könnte man dort Spaß haben und der Soundtrack macht Lust auf Mitmachen , zumindest der Fuß wippt sofort … und schön zu wissen, dass sich Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen auch so friedlich und tolerant begegnen. Beim Blick auf die Nachrichten der Welt kann man schon manchmal zweifeln.

    Na dann auf jeden Fall schon mal viel Spaß für nächsten Sonntag. Wir üben dann mal im Kleinen: Es ist Weinfest in UE mit Live-Musik der “Lehrer-Band”, nun jeder nach seinen Möglichkeiten :-)

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